Neue Musik · Elektronische Musik · Theater
Keine Zeit der Stille.
Loks erzählen europäische Geschichte(n).
Siebzehn historische Lokomotiven aus ganz Europa, eine 24-Kanal-Komposition und das Rundhaus von 1906: eine Zeitreise von der Industriellen Revolution bis in die Gegenwart. Nicht dokumentarisch, sondern hörbar.
01 · Zeitreise
Alte Loks aus vielen Ländern erzählen ihre Geschichten: von Krieg und Frieden, vom Orient-Express, von Salonzügen der Kaiser, Könige und Diktatoren. Von Urlaubsfahrten nach „Bella Italia“, vom Kalten Krieg und geheimen Lokomotiven. Von Mauerbau und Wiedervereinigung, vom Fall des „Eisernen Vorhangs“ und vom Glück der Reisefreiheit in einem vereinten Europa. Siebzehn Stationen, quer durch Europa, von Schweden bis Sizilien, von Frankreich bis Slowenien.
| Epoche | Station | Was zu hören ist |
|---|---|---|
| 1840–1880 | Industrielle Revolution | Dampf, Kohle, Schmiedeschläge, Fabriksirenen. Erste Strecken verbinden europäische Städte. |
| 1883–1977 | Orient-Express | Klavier, Kristallgläser, leise Gespräche. Luxus und Verbindung zwischen West und Ost. |
| 1914–1918 | Erster Weltkrieg | Marschschritte, Abschiedspfiffe. Züge bringen Soldaten an die Front. |
| 1933–1945 | Deportationszüge | Schweigen, dann Gedenkmusik. Das dunkelste Kapitel: Züge als Werkzeug der Verfolgung. |
| 1950–1969 | Bella Italia | Koffer, Stimmen, Sommer. Wirtschaftswunder, Urlaub, Wohlstand. |
| 1961–1989 | Eiserner Vorhang | Kontrollen, Funk, Stillstand an der Grenze. Kalter Krieg und geheime Lokomotiven. |
| 1989–heute | Vereintes Europa | Hochgeschwindigkeits-Summen, mehrsprachige Durchsagen. Reisefreiheit ohne Grenzen. |
Auswahl aus 17 Stationen. Jede Station erhält eine eigene Komposition von sechs Minuten: Neue Musik, elektronisch oder akustisch.
02 · Klang
Die Lokomotiven stehen still. Die Musik bewegt sich. Eine 24-Kanal-Installation gibt jeder Lok eine eigene Stimme. Die Stimmen setzen gemeinsam ein, wechseln sich ab, antworten einander: ein Ensemble aus Lautsprechern. Ein 360°-Rundgang erweitert den Raum ins Virtuelle.
24 diskrete Kanäle, 48 kHz, kreisförmige Lautsprecheranordnung mit rund 20 Metern Durchmesser.
Der Bezug
1923 schrieb Arthur Honegger Pacific 231: kein Zug als Programm, sondern Kraft, Beschleunigung und Masse als musikalische Form. Das Stück wurde am 8. Mai 1924 in Paris uraufgeführt. Die Premiere von LOCOMOTION am 8. Mai 2027 greift dieses Datum auf.
Der 8. Mai ist zugleich der Tag der Befreiung 1945. Mobilität, Freiheit und europäische Verbindung liegen an diesem Tag übereinander.
Die Form
LOCOMOTION überträgt Honeggers Prinzip auf 17 europäische Geschichten: Neue Musik, elektronisch oder akustisch, komponiert für 24 Einzelstimmen im Raum. Live-Musik, Schauspiel und Licht ergänzen die Installation zu einer 75-minütigen Inszenierung.
Keine Zeit der Stille.
03 · Internationale Ausschreibung
Komponistinnen und Komponisten, Musikerinnen, Produzenten und Klangkünstler sind eingeladen, Stücke für die Zeitreise einzureichen. Chor, Instrumente, Elektronik, Feldaufnahmen: alles ist denkbar, solange es sich auf 24 Einzelstimmen verteilen lässt. Aus den Einreichungen werden zehn Stücke für die Abendinszenierung ausgewählt. Drei davon führen zu Auftragswerken für ein Folgeprojekt im Bahnpark.
Die vollständigen Ausschreibungsbedingungen erscheinen im Januar 2027 an dieser Stelle.
04 · Ort
Das denkmalgeschützte Rundhaus des Bahnpark Augsburg stammt aus dem Jahr 1906. Siebzehn radiale Gleise laufen auf eine Drehscheibe zu. Auf ihnen stehen Lokomotiven aus ganz Europa, Teil der Dauerausstellung „Zeitreise“. Die Architektur gibt die Dramaturgie vor: Das Publikum bewegt sich zwischen den Loks, die Komposition bewegt sich zwischen den Lautsprechern.
LOCOMOTION macht das Industriedenkmal erstmals zur Theaterbühne. Die Technik bleibt im Haus und steht für weitere Formate bereit: Konzerte, Lesungen, Kompositionspreise. Das Projekt ist Modell dafür, wie Industriedenkmäler als Kulturorte arbeiten können.
Adresse
Bahnpark Augsburg · Firnhaberstraße 22c · 86159 Augsburg
Theater Die Stelzer
Mandl & Hauck eGbR, Landsberg am Lech. 30 Jahre internationale Theaterarbeit. Künstlerische Leitung: Wolfgang Hauck.
Bahnpark Augsburg gGmbH
Spielort, Dauerausstellung „Zeitreise“, 360°-Rundgang.
dieKunstBauStelle e. V.
begleitet das Projekt in Produktion und Vermittlung.
Kulturfonds Bayern
Gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst aus Mitteln des Kulturfonds Bayern, Bereich Kunst.
Kontakt
info@diestelzer.de